Online-Fachreihe für Paar- und Sexualtherapeut:innen
Paartherapie ist nicht neutral
Du willst beiden Personen gerecht werden. Doch was passiert, wenn eine Person mehr Care-Arbeit übernimmt, häufiger zurücksteckt, die Beziehung emotional organisiert oder unter sexuellem Druck steht – und diese Ungleichheit in der Therapie zu einem vermeintlich gemeinsamen Kommunikationsproblem wird?
Lerne, gesellschaftliche Machtverhältnisse in Paarbeziehungen fachlich einzuordnen, ohne Menschen auf Geschlecht zu reduzieren. Entwickle eine klare therapeutische Haltung und Interventionen, die Verantwortung sichtbar machen, statt bestehende Ungleichheit zu neutralisieren.
Ein Paar streitet ständig über den Haushalt. Eine Person plant, erinnert, organisiert und trägt die Verantwortung. Die andere sagt, sie müsse einfach klarer sagen, was zu tun sei.
Eine Person hat keine Lust mehr auf Sex. Im Gespräch wird daraus schnell ein Näheproblem des Paares, obwohl sie seit Monaten erschöpft ist, sich unter Druck fühlt und im Alltag kaum Raum für sich hat.
Eine Person unterbricht, wird laut oder entzieht sich. Die andere erklärt ruhig, versucht zu vermitteln und übernimmt schließlich auch in der Sitzung die Verantwortung für die Beziehung.
Du willst nicht vorschnell Partei ergreifen. Also sprichst du über Kommunikationsmuster, Bedürfnisse und die Anteile beider Personen.
Und trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl:
Paartherapie findet nicht außerhalb gesellschaftlicher Verhältnisse statt. Geschlechterrollen, finanzielle Abhängigkeit, Care-Arbeit, Diskriminierung, Sozialisation und sexuelle Normen sitzen mit im Raum – auch wenn niemand sie ausdrücklich benennt.
Ein entscheidender Perspektivwechsel
Wenn beide Personen formal gleich behandelt werden, obwohl sie nicht unter denselben Bedingungen leben, wird Ungleichheit schnell zu einem gemeinsamen Beziehungsproblem erklärt.
Aus ungleich verteilter Care-Arbeit wird dann ein Kommunikationsproblem. Aus sexueller Grenzüberschreitung werden unterschiedliche Bedürfnisse. Aus strategischer Inkompetenz wird ein Missverständnis. Aus finanzieller Abhängigkeit wird mangelnde Abgrenzung.
Das bedeutet nicht, dass eine Person immer recht hat oder nur eine Person Verantwortung trägt. Es bedeutet, dass therapeutische Einordnung mehr braucht als die Frage nach den Anteilen beider Seiten.
Sie fragt nicht nur, was zwischen zwei Menschen passiert, sondern auch, welche gesellschaftlichen Vorstellungen ihre Beziehung, ihre Konflikte und ihre Sexualität prägen.
Deine Spezialisierung für die Praxis
Diese Fachreihe verbindet feministische Theorie mit systemischer Paar- und Sexualtherapie, konkreter Fallarbeit und direkt einsetzbaren Interventionen.
Du bekommst keine Checkliste, mit der Frauen automatisch als benachteiligt und Männer automatisch als Täter eingeordnet werden. Du lernst genauer hinzusehen: Wer verfügt über welche Ressourcen? Wer passt sich an? Wer trägt welche Verantwortung? Wessen Bedürfnisse gelten als selbstverständlich? Wer muss erklären, erinnern oder Grenzen verteidigen?
Damit du nicht bei vermeintlich neutralen Kommunikationsübungen stehen bleibst, wenn ein Paar eigentlich über Macht, Verantwortung oder ungleiche Bedingungen sprechen muss.
Deshalb gehören vier Praxiswerkstätten fest zur Fachreihe.
Hier arbeitest du mit konkreten Fällen aus deiner Praxis. Wir schauen gemeinsam darauf, welche Machtverhältnisse, Rollenerwartungen und strukturellen Bedingungen im Fall relevant sein könnten. Wir prüfen deine Hypothesen und entwickeln Interventionen, mit denen du Verantwortung klar benennen kannst, ohne vorschnell zu vereinfachen.
Du lernst nicht nur, warum Paartherapie nicht neutral ist, sondern wie du diese Haltung in der nächsten Sitzung konkret umsetzt.
Die kleine Gruppe mit 8–12 Teilnehmer:innen schafft Raum für Fragen, Unsicherheiten, fachliche Kontroversen und persönliche Rückmeldungen.
Die Fachreihe richtet sich an:
Du brauchst keine feministische Vorbildung. Wichtig ist, dass du bereits therapeutisch oder beratend arbeitest und bereit bist, die eigene Haltung sowie vertraute Konzepte von Neutralität, Beziehung und Sexualität kritisch zu reflektieren.
Die Fachreihe ist eine berufsbegleitende Fortbildung und ersetzt keine vollständige Therapieausbildung.
Begleitung durch Julia Henchen
Ich bin systemische Paartherapeutin und Sexualtherapeutin und beschäftige mich in meiner Praxis, meinen Fortbildungen und meinen Büchern mit den gesellschaftlichen Bedingungen von Beziehung und Sexualität.
Dabei geht es um Lust und Unlust genauso wie um Care-Arbeit, Mental Load, sexuelle Normen, Scham, Konsens und die Frage, warum sich Verantwortung in Beziehungen so häufig ungleich verteilt.
Ich arbeite evidenzbasiert, systemisch und mit einer feministischen und intersektionalen Perspektive. Feministische Paartherapie bedeutet für mich nicht, Menschen nach Geschlecht in feste Rollen einzuteilen. Sie bedeutet, Macht und gesellschaftliche Bedingungen mitzudenken, statt sie als rein private Paardynamik zu behandeln.
Neben meiner therapeutischen Arbeit bin ich Dozentin, Autorin und Host des Podcasts „Kopf aus – Lust an!“.
Qualifikationen: Systemische Paartherapeutin (DGSF, SG) und Sexualtherapeutin (IGST) · M.A. Psychosoziale Beratung und Gesundheitsförderung · B.A. Klinische Psychologie
| Termin | Datum | Uhrzeit |
|---|---|---|
| Auftaktveranstaltung | Fr, 05.02.2027 | 09:00–11:00 Uhr |
| Fachmodul 1 | Fr, 26.02.2027 | 09:00–12:00 Uhr |
| Praxiswerkstatt 1 | Do, 11.03.2027 | 18:00–20:00 Uhr |
| Fachmodul 2 | Fr, 26.03.2027 | 09:00–12:00 Uhr |
| Praxiswerkstatt 2 | Do, 08.04.2027 | 18:00–20:00 Uhr |
| Fachmodul 3 | Fr, 21.05.2027 | 09:00–12:00 Uhr |
| Praxiswerkstatt 3 | Do, 03.06.2027 | 18:00–20:00 Uhr |
| Fachmodul 4 | Fr, 02.07.2027 | 09:00–12:00 Uhr |
| Praxiswerkstatt 4 | Do, 15.07.2027 | 18:00–20:00 Uhr |
| Expert:innenabend | Do, 05.08.2027 | 18:00–20:00 Uhr |
Rahmen und Investition
Nein. Die Fachreihe lebt von vertraulicher Fallarbeit, offenen Diskussionen und persönlicher Reflexion. Deshalb stehen keine Aufzeichnungen zur Verfügung.
Du erhältst die begleitenden Arbeitsmaterialien des jeweiligen Termins. Die Live-Arbeit, Fallbesprechungen und der Austausch können dadurch jedoch nicht vollständig ersetzt werden.
Ja. Die vier Praxiswerkstätten sind ausdrücklich dafür vorgesehen. Fälle werden anonymisiert und in einem vertraulichen Rahmen besprochen.
Nein. Wir entwickeln zu Beginn eine gemeinsame fachliche Grundlage. Wichtig sind Erfahrung in der therapeutischen oder beratenden Arbeit und die Bereitschaft, die eigene Haltung und bisherige Konzepte kritisch zu reflektieren.
Nein. Feministische und intersektionale Paartherapie beschäftigt sich grundsätzlich mit Macht, Normen, Privilegien und Ungleichheit. Unterschiedliche Beziehungsformen, sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten werden mitgedacht.
Nein. Es geht nicht um pauschale Schuldzuweisungen. Es geht darum, Sozialisation, Privilegien, Verantwortung und konkrete Handlungen differenziert zu betrachten. Auch Männer profitieren davon, wenn starre Geschlechterrollen und einschränkende Beziehungserwartungen sichtbar und veränderbar werden.
Du erhältst eine Teilnahmebescheinigung über die Inhalte und den zeitlichen Umfang der Fachreihe. Die Fachreihe ist eine berufsbegleitende Fortbildung und keine eigenständige Therapieausbildung.
Ja. Du kannst den Gesamtbetrag von 1.950 € einmalig oder in fünf monatlichen Raten à 390 € zahlen.
Entwickle eine therapeutische Haltung, die Macht und Verantwortung sichtbar macht, ohne Menschen auf einfache Rollen zu reduzieren.
Lerne, Paare so zu begleiten, dass nicht nur besser kommuniziert wird, sondern tatsächliche Veränderung möglich wird.
Feministische Paar- und Sexualtherapie · Start am 5. Februar 2027
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